23. Oktober 2016

Appro­ba­ti­ons­ord­nung

Aktu­ell

Der Refe­ren­ten­ent­wurf zur neu­en Appro­ba­ti­ons­ord­nung wur­de mit den Dele­gier­ten der Fach­schaf­ten in der Fach­schafts­aus­spra­che am 19. Novem­ber 2016 in Frei­burg dis­ku­tiert. Es wur­de eine Stel­lung­nah­me erar­bei­tet, die im Dezem­ber 2016 dem Minis­te­ri­um über­mit­telt wur­de.


Arbeitstand: Neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te

Lie­be Fach­schaf­ten,

seit nun mehr als 10 Jah­ren beschäf­tigt sich die Stan­des­po­li­tik und Fach­ge­sell­schaf­ten mit dem The­ma „Neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te“

Auch der BdZM hat sich früh durch eine eige­ne Arbeits­grup­pe in die Ent­wick­lung ein­ge­bracht. Im Jahr 2007 wur­de ein Ent­wurf der Neu­en Appro­ba­ti­ons­ord­nung der Poli­tik vor­ge­stellt. Die­ser Ent­wurf wur­de im Kon­sens von allen betei­lig­ten zahn­me­di­zi­ni­schen Grup­pen getra­gen.

Bis zum Früh­jahr die­ses Jah­res gab es pro­duk­ti­ve und sta­gnie­ren­de Pha­sen. Auf den Ent­schluss der BuFa­Ta in Ham­burg, einen Streik für die Appro­ba­ti­ons­ord­nung zu ver­an­stal­ten, reagier­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit und kün­dig­te für den Herbst 2016 einen Refe­ren­ten­ent­wurf an. Nach Ver­ab­schie­dung des Refe­ren­ten­ent­wurfs soll die Appro­ba­ti­ons­ord­nung im im Som­mer 2017 vor der Bun­des­tags­wahl ver­ab­schie­det wer­den.

Auf den fol­gen­den Sei­ten erläu­tern wir den Hin­ter­grund, Sta­tus Quo und die wei­te­re Vor­ge­hens­wei­se zum The­ma Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te.


Ein­lei­tung

 

Die Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te ist die Rechts­grund­la­ge des Stu­di­en­gan­ges Zahn-, Mund- und Kie­fer­heil­kun­de in Deutsch­land. Die der­zeit gül­ti­ge Ver­si­on stammt aus dem Jahr 1955. Für die Leh­re der Zahn­me­di­zin stellt dies ein gro­ßes Pro­blem dar — natür­lich funk­tio­niert das alte Kon­zept und wur­de an den meis­ten Uni­ver­si­tä­ten mit neu­en Inhal­ten gefüllt. Jedoch ist die Appro­ba­ti­ons­ord­nung heut­zu­ta­ge kei­ne Grund­la­ge um die Leh­re an allen Uni­ver­si­tä­ten auf dem glei­chen Stand zu hal­ten. Die Inhal­te der Prä­ven­ti­ven Zahn­me­di­zin fin­den über­haupt kei­ne Berück­sich­ti­gung obwohl die­se aus den prak­ti­zier­ten Behand­lungs­kon­zep­ten nicht mehr weg­zu­den­ken sind.

Schau­en wir uns den aktu­el­len Stand der Leh­re an, fin­den wir Uni­ver­si­tä­ten, die die AOZ mit den neu­es­ten Inhal­ten erwei­tert haben, aber auch lei­der Unis, die Ihre Leh­re genau nach dem vor­ge­ge­ben Kon­zept gestal­ten. Bei­spiels­wei­se wird das Kon­zept der inte­grier­ten Kur­sen je nach Uni­ver­si­tät anders inter­pre­tiert und umge­setzt. In der  Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te soll­te nach unse­rer Mei­nung die uni­ver­si­tä­re Leh­re, basiert auf den aktu­el­len Wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen, mit dem bes­ten Lehr­kon­zept ver­mit­teln wer­den. Dazu gehört auch eine ent­spre­chen­de Betreu­ungs­re­la­ti­on in kli­ni­schen Kur­sen und eine inten­si­ve Über­ar­bei­tung des Cur­ri­cul­ums. Letz­te­res ist zum Groß­teil schon durch den NKLZ erfolgt, des­sen Umset­zung den Uni­ver­si­tä­ten ohne eine neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung aber nicht wirk­lich mög­lich ist.

Wie die Novel­lie­rung bis­her ver­lief?

 

Zwar wur­de die Appro­ba­ti­ons­ord­nung auch seit 1955 aktua­li­siert, die vor­ge­nom­me­nen Ver­än­de­run­gen waren jedoch nur mar­gi­nal. Sie stel­len kei­nes­wegs eine Reform der Appro­ba­ti­ons­ord­nung dar. Bereits in den 70er Jah­ren wur­de eine Novel­lie­rung für Not­wen­dig ange­se­hen. Alle zahn­ärzt­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und die Stu­die­ren­den setz­ten sich für eine Über­ar­bei­tung der Appro­ba­ti­ons­ord­nung ein. Schon damals wur­de den Stu­die­ren­den erzählt, dass bis zu Ihrem Examen vor­aus­sicht­lich einen neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung in Kraft getre­ten sein wird.

In der Fol­ge­zeit schien der Novel­lie­rungs­pro­zess min­des­tens alle 10 Jah­re kurz vor dem Abschluss zu ste­hen. Die Refor­mie­rung der Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te im Jahr 2002 wirk­te mit neu­em Reform­druck auf die Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te.
Im Jahr 2005 sprach der Wis­sen­schafts­rat die Emp­feh­lun­gen zur Wei­ter­ent­wick­lung der Zahn­me­di­zin an den Uni­ver­si­tä­ten in Deutsch­land aus. In die­sem Zusam­men­hang wur­de erneut eine Reform der Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te gefor­dert. Nach­zu­le­sen ist das für alle öffent­lich im Inter­net. Hoch­in­ter­es­sant und ein “Schlag” ins Gesicht der bestehen­den Struk­tu­ren.  Im Jahr 2007 gab es einen sehr kon­kre­ten Ent­wurf, der sei­ne Unter­stüt­zung in allen Stan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen und Fach­ge­sell­schaf­ten fand und sogar vom Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um als nötig ein­ge­stuft wur­de. Lei­der wur­de wie­der nichts dar­aus.
Ein Eck­punk­te­pa­pier des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um aus dem Jahr 2010 hielt die Novelle­lie­rung für drin­gend erfor­der­lich und stell­te ein Inkraft­tre­ten für den 01.01.2016 in Aus­sicht. Gerüch­ten zufol­ge gab es meh­re­re Blo­cka­den aus den Bun­des­län­dern, die wegen der ver­bes­ser­ten Betreu­ungs­re­la­ti­on stei­ge Kos­ten bei gleich­blei­ber Stu­die­ren­den­zahl nicht tra­gen woll­ten. Auch die Dop­pel­ten Abitur­jahr­gän­ge haben dabei dem Ver­neh­men nach eine Rol­le gespielt.

Heu­te müs­sen wir lei­der fest­stel­len, dass die neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung auf der Agen­da der Poli­tik sehr weit in den Hin­ter­grund gerutscht ist und bis­lang nicht ver­ab­schie­det wur­de. Zum 1. Janu­ar 2016 wur­de statt der Appro­ba­ti­ons­ord­nung nun eine Ebe­ne höher das Zahn­heil­kun­de­ge­setz geän­dert und den Uni­ver­si­tä­ten ermög­licht, Modell­stu­di­en­gän­ge zu eta­blie­ren. Wir sehen die Ein­füh­rung von Modell­stu­di­en­gän­gen auf Basis der alten AOZ für eine Hin­hal­te­tak­tik, die an den meis­ten Uni­ver­si­tä­ten auf­grund der damit ver­bun­de­nen höhe­ren Kos­ten ohne poli­ti­sche Zwang nicht durch­kom­men wird. Wenn die­se an eini­gen weni­gen Uni­ver­si­tä­ten ein­ge­führt wer­den, wür­de dies zu einer Zwei-Klas­sen-Aus­bil­dung füh­ren. An den ande­ren Hoch­schu­len wür­den dann wei­ter­hin unter den Bedin­gun­gen von 1955 aus­ge­bil­det.

Wie haben sich die Stu­den­ten posi­tio­niert?

Von Sei­ten der deut­schen Zahn­me­di­zin­stu­den­ten war das Votum klar: Im Janu­ar 2016 haben wir auf der Bun­des­fach­schafts­ta­gung nach inten­si­ver Beleuch­tung aller Aspek­te beschlos­sen, das stil­le Ver­schwin­den der AOZ von der poli­ti­schen Agen­da nicht ein­fach hin­zu­neh­men. Die anwe­sen­den Fach­schaft­ler haben beschlos­sen, die Ver­zö­ge­rung nicht län­ger hin­zu­neh­men und dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um anzu­kün­di­gen, deutsch­land­weit orga­ni­siert auf die Stra­ße zu gehen, wenn nicht zügig eine neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung kommt. Wir haben dabei die Unter­stüt­zung des Bun­des­zahn­ärz­te­kam­mer und der Lan­des­zahn­ärz­te­kam­mern ein­ge­holt und auch der Hoch­schul­leh­rer­ver­band der Zahn­me­di­zin, die VHZMK, heißt unser Enga­ge­ment gut.

Wir haben eine drei­tä­gi­ge Pro­test­ak­ti­on im Mai ange­kün­digt, bei der an allen drei­ßig Stand­or­ten die Pati­en­ten­be­hand­lung an den Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken unter­bleibt und die Stu­den­ten auf die Stra­ße gehen.

Offen­sicht­lich hat die­se Ankün­di­gung und die fort­ge­schrit­te­ne Pla­nung das BMG Ende April dazu bewo­gen ein­zu­len­ken. Die gro­ße Koali­ti­on will eine Pro­test­ak­ti­on von 15.000 Zahn­me­di­zin­stu­den­ten im Vor­wahl­jahr auf jeden Fall ver­mei­den.
Im Rah­men des Früh­jahrs­fes­tes in Ber­lin, bei dem nicht nur die ver­sam­mel­te Selbst­ver­wal­tung der deut­schen Zahn­me­di­zin son­dern auch Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges anwe­send waren, ist uns eine neue Appro­ba­ti­ons­ord­nung zeit­nah zuge­si­chert wor­den.

Natür­lich kann die­ses Ver­spre­chen mit Blick auf die Ver­gan­gen­heit nicht für bare Mün­ze genom­men wer­den. Aber es ist der Beginn des Ein­füh­rungs­pro­zes­ses, auf den wir jetzt nicht nur war­ten, son­dern durch den Stu­den­ten erzeug­ten Druck mit­ge­stal­ten kön­nen:

In einem Tref­fen mit den zustän­di­gen Mit­ar­bei­tern des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit im Juli 2016 konn­ten die Ver­tre­ter des BdZM als Stu­die­ren­den­ver­tre­ter, die aus Sicht der Stu­die­ren­de wich­tigs­ten Eck­punk­te der Novel­lie­rung ein­brin­gen. Die Beleuch­tung der sto­cken­den Ent­wick­lung in den letz­ten Jah­ren führ­te zu kla­ren For­de­run­gen unse­rer­seits dar­über, dass wir uns mit kei­nen wei­te­ren Ver­zö­ge­run­gen der Ent­wick­lung der Appro­ba­ti­ons­ord­nung zufrie­den­stel­len. Den Beschluss der BuFa­Ta Erlan­gen, sich bei Nicht­er­schei­nen des Refe­ren­ten­ent­wurfs im Herbst 2016 für die Appro­ba­ti­ons­ord­nung im Rah­men einer Demons­tra­ti­on am 18.01.2016 stark­zu­ma­chen, wur­de deut­lich an das Minis­te­ri­um ver­mit­telt.


Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Zahn­ärz­te

Hier sind die wich­ti­ges­ten Doku­men­te für euch zusam­men­ge­fasst. Den Ent­wurf aus dem Jahr 2008 und ein Eck­punk­te­pa­pier des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums fin­det ihr in der Face­book­grup­pe Streik — Neue AOZ.

Den Arbeits­stand und das Wei­te­re Vor­ge­hen fin­det ihr hier.
Was müsst ihr im Vor­feld für die Demons­tra­ti­on an eurem Stand­ort pla­nen? — Sche­du­le of Demons­tra­ti­onIhr möch­tet eure Uni­ve­ri­sät über die Demons­tra­ti­on infor­mie­ren? — Brief­vor­la­ge

Den Refe­ren­ten­ent­wurf ist den Fach­schafts­ver­tre­tern zuge­gan­gen.
Eine Über­sicht der Neue­run­gen fin­det ihr hier.

Die stu­den­ti­sche Stel­lung­nah­me fin­det ihr hier.